• Bon pour la santé?

Bon pour la santé?

15.03.2019

Diese Frage zielt nicht auf den geschichtsträchtigen Satz von alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Es geht mir um eine Berichterstattung unter dem Titel «Gratislohn ist gut für die Gesundheit», die sich mit der Auswertung eines Pilotprojekts zum bedingungslosen Grundeinkommen in Finnland befasste.

Im Rahmen dieses Projekts erhielt eine nach dem Zufallsprinzip gebildete Testgruppe von 2000 Arbeitslosen zwei Jahre lang steuerfrei monatlich 560 Euro. Je nach Familiensituation kamen weitere Gelder (Kindergeld usw.) hinzu, und bei einer eintretenden Anstellung das damit verbundene Gehalt. Der Gesamtbetrag war an keine Bedingungen geknüpft. Parallel dazu wurde eine Gruppe von Arbeitslosen mit herkömmlichen Unterstützungsleistungen beobachtet. Auf diese Weise sollte herausgefunden werden, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen einen erhöhten Anreiz auslöst, einen Job zu finden. Dies war nicht der Fall.

Im schweizerischen Rheinau ist ein Projekt zum bedingungslosen Grundeinkommen gescheitert, weil die Initianten die Finanzierung nicht sicherstellen konnten. An (freiwilligen) Teilnehmern hatte es nicht gemangelt.

Für den Homo sapiens war es seit jeher eine Selbstverständlichkeit, eine Leistung zu erbringen, bevor darauf eine Gegenleistung erfolgte. Zur Zeit der Jäger und Sammler bestand die Leistung aus selbst hergestellten Werkzeugen und damit aus zum Eigengebrauch gefertigten Gegenständen sowie erjagten und gesammelten Nahrungsmitteln. Vor rund 11 000 Jahren kam der Tauschhandel hinzu – eigene Leistungen wurden mit Gegenleistungen anderer abgegolten. Das ist bis heute ein unentbehrliches Grundprinzip unserer sozialen Marktwirtschaft, welches es uns – zumindest in unseren Breitengraden – auch erlaubt, bedürftige Mitmenschen zu unterstützen. 

Leistungserbringung ist für uns Menschen unabdingbar. In erster Linie für das damit verbundene Selbstwertgefühl und die einem widerfahrenden Wertschätzungen. Allein deshalb können wir es uns nicht leisten, nichts zu leisten. Ob die aus dem finnischen Pilotprojekt interpretierten positiven Gesundheitsaspekte diese «Grundgesundheit» zu überwiegen vermögen, bleibt für mich fraglich.

Markus Meier, Direktor HEV Schweiz